In diesem Beitrag möchte ich gern den praktischen Einsatz von ePortfolios betrachten, vor allem im Zusammenhang mit der EU-Initiative bis 2010 jedem Europäer sein eigenes ePortfolio zu Verfügung zu stellen. Das finde ich eine interessante Idee, von der ich vorher noch nichts gehört hatte und deshalb möchte ich mich gern etwas näher damit beschäftigen.
Welche Idee steht hinter dem Konzept „ePortfolio“?
Ein ePortfolio kann in gewisser Weise als „digitale Bewerbungsmappe“ gesehen werden, in der man seine persönlichen Qualifikationen und Kompetenzen sichtbar machen kann. Bei Salzburg Research wird ePortfolio so definiert:
eine digitale Sammlung von mit Geschick gemachten Arbeiten (=lat. Artefakte) einer Person, die dadurch das Produkt (Lernergebnisse) und den Prozess (Lernpfad/Wachstum) ihrer Kompetenzentwicklung in einer bestimmten Zeitspanne und für bestimmte Zwecke dokumentieren und veranschaulichen möchte. Die betreffende Person hat die Auswahl der Artefakte selbstständig getroffen, und diese in Bezug auf das Lernziel selbst organisiert. Sie (Er) hat als Eigentümer(in) die komplette Kontrolle darüber, wer, wann und wie viel Information aus dem Portfolio einsehen darf. (Quelle: Salzburg Research)
ePortfolios bieten also eine Möglichkeit den Fortschritt des eigenen Lernens zu dokumentieren, sammeln und auch veröffentlichen und gleichzeitig die eigenen erstellten Produkte und Leistungen in digitaler Form online darzustellen. Es kommt sowohl auf das Ergebnis des Lernens an als auch auf den Prozess selber und die Weiterentwicklung während des Lernens.
Was könnte die Motivation der EU sein, bis 2010 jedem EU-Bürger ein ePortfolio zur Verfügung zu stellen? Ist das eine sinnvolle Idee?
Worum geht es nun bei der Initiative der EU? Das Programm heißt „Objective 2010 – ePortfolio for all“ und soll jedem EU-Bürger die Möglichkeit geben ein eigenes ePortfolio zu erstellen, dazu zählen auch Angebote wie der Europass oder Sprachenpass.
Das European Institute for eLearning (EIfEL) begründet:
„In the context of a knowledge society, where being information literate is critical, the portfolio can provide an opportunity to demonstrate one’s ability to collect, organise, interpret and reflect on documents and sources of information. It is also a tool for continuing professional development, encouraging individuals to take responsibility for and demonstrate the results of their own learning. Furthermore, a portfolio can serve as a tool for knowledge management, and is used as such by some institutions.
Es soll den EU-Bürgern helfen sich international, bzw. innerhalb der EU zu präsentieren und ihr Wissen und Können zu zeigen und dabei gemeinsame Leitlinien innerhalb der EU festzulegen. Dadurch wird in gewisser Weise die Transparenz und Vergleichbarkeit des Lernprozesses und der Ergebnisse gewährleistet und Chancengleichheit möglich. Die Lernenden werden unterstützt ihre Entwicklung zu dokumentieren und auch zu bewerten und ein Anreiz für lebenslanges Lernen wird geboten. Die EU fördert das ePortfolio für die „Wissensarbeiter“ und „lebenslange Lerner“. Sie gelten als „lifelong and life wide learning passport“ für EU-Bürger.
Einige EU-Länder bieten bereits Standards für ePortfolios, jedoch viele müssen die Idee erst wahrnehmen und realisieren. Genau dafür steht die Initiative der EU und das European Institute for eLearning (EIfEL) mit dem Ziel „Europortfolios“ für alle zu ermöglichen.
Das EIfEL hat folgende Mission für die Europortfolios festgelegt:
- Promote innovative practice and technology; use of the ePortfolio as one of the foundations of a learning economy and society. The link between the different dimensions of learning: individual, organisational, and community learning, based upon a lifelong and life wide repository and celebration of achievements.
- Contribute to the definition of technical standards; ensuring interoperability between ePortfolio and ePortfolio-related technologies and services.
- Establish a reference platform implementing state of the art standards in order to provide a benchmark and a test facility.
- Update current occupational standards of competence to promote the use of ePortfolios as a foundation for forward-looking practice in the fields of education, training, human resource management and development.
- Provide support to, and co-ordinate, European initiatives with other national and international initiatives, sector-specific or cross-sector; facilitate the exchange of information among all the stakeholders involved in ePortfolio and ePortfolio-related initiatives; encourage European and international co-operation
- Mobilise the human, financial, operational and technical resources required to achieve its mission and create the conditions for a self-sustainable consortium
Was ist das „eigentlich Neue“ an ePortfolios? Sind ePortfolios als Begleiterscheinung eines allgemeinen (individuellen/gesellschaftlichen/ technischen/…) Veränderungsprozesses zu sehen oder „einfach nur ein neues Werk-/Spielzeug“? In welche Arten oder Anwendungsformen lassen sich ePortfolios einteilen?
ePortfolios ermöglichen eine detaillierte Dokumentation des Lernprozesses und der Ergebnisse, die Speicherung, Verlinkung und den gegenseitigen Austausch von Informationen. Das Neue an ePortfolios ist die Verlinkung zwischen den unterschiedlichsten Portfolios. Man kann mit allen, die ePortfolios verwenden in Kontakt treten, gegenseitig Erfahrungen und Ideen austauschen. ePortfolios sind wichtig zur Darstellung der individuellen Fähigkeiten und der Person, jedoch müssen sie als Werkzeuge, die beispielsweise für die Ausbildung oder bei Bewerbungen auch anerkannt werden erst etabliert werden, was sich sicher auch einen Veränderungsprozess in der Gesellschaft erfordert. Dies wird aber mit der Durchdringung der Technologie in allen Bereichen des Lebens zusammenhängen und in Zukunft sicher der Fall sein.
Eine gute Unterscheidung von der Typen von ePortfolios findet man bei Salzburg Research.